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Fernwärme in München: ja, gerne - aber bitte ökologisch vorbildlich, innovativ und zu sozialen Preisen

Verwandte Themen: [Geothermie] [Abwärme]

In dichtbesiedelten Stadtquartieren ist die Fernwärme auf den ersten Blick eine bestechende Versorgungsart: in den Gebäuden ist keine eigene Heizanlage nötig, entsprechende Immissionen, Investitionen und Wartungskosten fallen also erst gar nicht an. Der Platzbedarf der Wärmeübergangsstation ist auch viel geringer als der eigener Heizanlagen, was zumindest den Hauseigentümer freut.

Strukturelle Schönheitsfehler

Allerdings gibt es auch in München Fernwärme-Schattenseiten, die aber kommunalpolitischer Korrekturen zugänglich wären. Am einfachsten ist noch der ökologische Aspekt. Reine Heizwerke (HW) sind jeder modernen Brennwert-Gas-Einzelheizung wegen der Transmissionsverluste unterlegen. Aber auch die Wärmegewinnung im Sinne der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) ist ökologisch und klimaschutzmäßig nur die zweitbeste Lösung, solange Gas, Öl oder Kohle verbrannt werden. Solarthermie und Holzpellets schneiden hier deutlich besser ab (Details).

Und die Heizkosten der M-Fernwärme liegen in der Regel deutlich über denen anderer Heizformen und hängen direkt am Preisniveau fossiler Energieträger. Dies trifft vor allem Mieterhaushalte, da die Fernwärme vornehmlich den innerstädtischen Geschosswohnungsbau versorgt. Es bleibt daher das Geheimnis der vorgeblichen Mieterpartei SPD, warum sie - treu unterstützt von den Stadtrats-GRÜNEN - bislang alle Versuche im Stadtrat blockiert hat, die SWM bei den Fernwärme-Preisen zu sozialerem Verhalten zu bewegen.

Dabei gibt es genügend andere kommunale Wärmeversorger, die ihren Kunden eine "Bestpreisabrechnung" anbieten und damit sicherstellen, dass der Fernwärmepreis nie überm Gaspreis liegt. Siehe [StR-Anfrage].

Kostentreiber Grundpreis

Ein weiteres Spezifikum ist der hohe Grundpreis (Bereitstellungspreis) für die M-Fernwärme. Er beträgt brutto ca. 45 Euro pro Kilowatt und Jahr. Bei einem 100-kW-Anschluss sind das immerhin 4.500 Euro pro Jahr - ohne dass ein Gramm Wärme fließt! Wie nicht zuletzt ein Stadtratsantrag von mir im November 2013 gezeigt hat (Vorgang), werden oft zu hohe Grundpreise verrechnet, weil z. B. die Nutzer sparsamer sind und/oder das Gebäude energetisch saniert wurde. Das passiert sogar bei der Stadt München, die deswegen pro Jahr Hundertausende Euros zuviel an Heizkosten an die SWM zahlt.

Spar-Tipp XXL

Daher hat es sich eingebürgert, einen Kontrollwert zu ermitteln, indem die Jahreswärmemenge [in kWh] durch eine Volllaststundenzahl von 2.000 h (gilt für Mehrfamilienhäuser) dividiert wird. Dieser Wert [in kW] ist eine Referenz für die nötige Anschlussleistung, die sogenannte "Heizlast". (Hintergrund-Infos auf www.htip.de/heizlast.html). Man kann daher allen Fernwärmenutzern nur empfehlen, ihre Heizungsabrechnung diesbezüglich zu überprüfen. Wenn Sie Mieter sind, verlangen Sie eine Kopie der SWM-M-Wärme-Jahresrechnung. Dort finden Sie die Anschlussleistung (in kW) und den Jahresheizverbrauch (in MWh =1000 kWh).

Beispielrechnung Beispiel: Sie finden einen Jahreswärmeverbrauch von ca. 218 MWh auf der M-Wärmerechnung vor. Der Anschlusswert (Grundpreis) beträgt 256 kW. Der Kontrollwert beträgt aber lediglich 218.000 / 2.000 gleich 109 kW. D. h. Sie zahlen 147 kW* 45 Euro, also ca. 6.600 Euro im Jahr zuviel an Heizkosten an die SWM GmbH!
Auch die Stadt Nürnberg ist auf diese Erkenntnis gekommen - schon 2003! - und spart seither durchschnittlich über 6.000 Euro pro Jahr und Fernwärmeanschluss ein! Wer's nicht glaubt: [Quelle]

Im Prinzip gut: die M-Wärme-Vision 2040 der SWM GmbH

Die Idee an sich ist - aus mehreren Gründen - bestechend: die Lagegunst des Voralpenraums ausnutzen und über 90 GradC heißes Wasser aus 2000 m Tiefe hochpumpen, um damit den langfristig sinkenden Raum-Wärmebedarf von ganz München zu decken - ganz ohne Einsatz fossiler Brennstoffe. Ökologisch wäre dieser Fernwärme-Ansatz dann wieder in der Spitzengruppe was den CO2-Ausstoß betrifft.

Allerdings werden weiterhin SWM-typisch die durch den Verzicht auf fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas unbestreitbar bestehenden Kostenvorteile nicht an die Endkunden weitergegeben. Vielmehr wird auch weiterhin der fossil bestimmte münchen-weite Fernwärme-Einheitspreis verlangt - und der ist im Mittel deutlich höher als der Gas-Preis.

Die aktuelle Stadtratsdebatten haben interessante Widersprüche hinsichtlich des Preisgebarens zu Tage gefördert. Während die SWM allen Ernstes behaupten, die Geothermie-Kunden der Messestadt Riem müssten froh sein, wenn sie "nur" den normalen Fernwärmepreis und nicht die effektiven Geothermie-Kosten bezahlen müssen, vertritt die Geothermie Pullach die gegenteilige Auffassung: ihre Preise seien im Vergleich zur SWM wohl deshalb deutlich günstiger, weil sie nicht fossile Energieträger wie Gas und Kohle zur Erzeugung der Wärme einsetzen müsse. Was ist jetzt die Wahrheit?

Erdwärmepreis in Riem rechtskonform?

Dabei bestehen seit der aufsehenerregenden Rechtsprechung des BGH vom 6.4.2011 (Urteil) erhebliche Zweifel, ob der Riemer Erdwärme-Preis nicht gegen geltendes Recht verstößt: der BGH hat festgestellt, dass Fernwärmeversorger bei ihrer Preisbildung zu 50 Prozent nur die Preisentwicklung der tatsächlich eingesetzten "Brennstoffe" ansetzen dürfen. Dieser ist aber in der Messestadt Riem zu 90 Prozent Erdwärme und nur zu max. 10 Prozent Erdgas.


Links

München: Wege in eine CO2-freie Zukunft
Studie des Wuppertal-Instituts im Auftrag der SIEMENS AG (2008)

Interessante Fallbeispiele: [Onlinedienst Stadt+Werk]

SWM: Vision Fernwärme 2040
SWM-Pressemeldung vom 12.3.2012 [Wortlaut]


Bauzentrum MünchenBauzentrum München -
[www.stadtwerke-beschwerden.de] von Stadtrat Marian Offman
[Fernwärme-Kostensenkung der Stadt Nürnberg]

Politische Aktivitäten

Im folgenden finden sich Stadtratsanträge zum Thema Fernwärme, die entweder von mir stammen (bis April 2014) oder später von mir inspiriert wurden.

06.05.2016: StR-Mitglieder Beatrix Burkhardt, Ulrike Grimm, Hans Podiuk, Manuel Pretzl, Sebastian Schall (alle CSU): StR-Antrag Nummer 14-20 / A 02094: "Systemisch handeln - Wärmevision 2040 vorantreiben - städtische Betriebskosten senken: Schulneubauten auch zur Rücklaufauskühlung im Fernwärmenetz nutzen" (Vorgang)

06.08.2014: StRe Manuel Pretzl, Marian Offman (alle CSU): StR-Anfrage-Nummer: 14-20 / F 00056 "Frieren in der Übergangszeit - wie stellen die SWM auch im Heisswassernetz jederzeit ausreichend Fernwärme bereit?" (Vorgang)


04.08.2014: StRe Hans Podiuk, Manuel Pretzl, Johann Sauerer, Sebastian Schall (alle CSU): StR-Anfrage Nummer 14-20 / F 00051 "Heizen bis zum Abwinken - warum pumpt die SWM im Hochsommer zu viel Erdwärme in die Messestadt?" (Vorgang)


25.06.2014: StRe Hans Podiuk, Manuel Pretzl, Marian Offman, Sebastian Schall (alle CSU): StR-Anfrage Nummer 14-20 / F 00021 "Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an: wie trägt die SWM konkret dazu bei, beim bevorstehenden Anschluss des 4. Bauabschnittes der Messestadt Riem an die M-Geothermie die bekannten Probleme mit zu hohen Rücklauftemperaturen zu vermeiden?" (Vorgang)



08.04.2014: StR-Antrags-Nummer: 08-14 / F 01885 - Reduzierung der Fernwärme-Grundpreise für Bestandsgebäude - wie geht es konkret, welche Hilfe leisten städtischen Einrichtungen (z. B. Bauzentrum) und SWM? (Vorgang)

12.03.2014: StR-Antrags-Nummer: 08-14 / F 01864 - Fernwärme fördern - Mieter entlasten (Bestpreisabrechnung) (Vorgang)

10.12.2013: StR-Antrags-Nummer: 08-14 / A 04881 - Einfach mal Vorbild sein: ganzheitliches Energiekonzept für das SWM-AWM-XXL-Areal erstellen und vielleicht 3 Gigawattstunden Abwärme nicht im Grundwasser verschwinden lassen (Vorgang)

02.12.2013: StR-Antrags-Nummer: 08-14 / A 04851 - Der Weg ist klar: Fernwärmekosten für alle städtischen Gebäude mit wenig Aufwand senken (Vorgang)

24.10.2013: Änderungsantrag zum TOP "Die Zukunft des Münchner Wärmemarktes" (Vorgang)

4.9.2013: StR-Anfrage 08-14 / F 01657 "Wann werden die Geheimnisse rund um die Rücklauftemperaturen bei der M-Fernwärme gelüftet?" (Vorgang)

10.06.2013: StR-Antrags-Nummer: 08-14 / A 04311 - Fernwärmekosten für städtische Gebäude mit wenig Aufwand senken - und (vielleicht) Millionen pro Jahr sparen (Vorgang)

10.06.2013: StR-Antrags-Nummer: 08-14 / A 04310 - So wird München soziale Fernwärme-Hauptstadt ? Bestpreisabrechnung für Münchens Mieter einführen(Vorgang)

1.9.2011: StR-Anfrage 08-14 / F 01016 "Fragen zur Geothermie-Versorgung des Münchner Messegeländes" (Vorgang)

26.5.2011: StR-Antrag 08-14 / A 02489 "Wenn München wüsste, was die Tochter GEWOFAG weiß...- Spektakuläres und energiesparendes Wärmetauscher-Konzept dem Stadtrat vorstellen" (Vorgang)

8.7.2011: Antrag Nr. 08-14 / A 02628 StR-Antrag Die Zukunft des Münchner Wärmemarktes (Vorgang)

17.5.2011: Antrag 08-14 / A 02450 "Warum schaffen es Umlandgemeinden, auch für eher locker besiedelte Gemeindegebietsteile geothermiegespeiste Fernwärmenetze wirtschaftlich darzustellen?" (Vorgang)

14.5.2011: Anfrage 08-14 / F 00909 "Wie gut funktioniert die Tiefen-Geothermie in der Messestadt Riem?" (Vorgang)

23.10.2008: Anträge "München setzt auf Geothermie" (1) - Erfahrungen aus dem Geothermie-Projekt Messestadt Riem nutzen"
"München setzt auf Geothermie" (2) - Welche Preismodelle haben sich bei Geothermie-Fernwärme-Projekten etabliert?" (Vorgang)

Presse-Echo / Online-Foren (Ausschnitt)

Geheimsache Fernwärme (MM 08.12.2008)
Münchner Fernwärme besonders teuer (MM 17.04.2009)
Fernwärme: CSU will Anbietermonopol der Stadtwerke kippen (MM 26.05.2010)